Emotionen im Strassenverkehr

Kennst du Alles steht Kopf? Den Pixar-Film, der zeigt, wie unsere Emotionen unsere Reaktionen steuern. Wut, Freude, Angst, Traurigkeit – sie begleiten uns jeden Tag, oft vermischen sie sich und nicht immer ist es leicht, sie im Moment selbst zu erkennen.

Der Animationsfilm „Alles steht Kopf“ macht komplexe psychologische Prozesse greifbar. (Quelle: kultkino.ch)

Was ist eine Emotion?

Eine Emotion ist eine automatische körperliche Reaktion auf das, was um dich herum oder in dir geschieht. Sie entsteht, ohne dass du darüber nachdenkst, und kann unterschiedlich stark sein. Sie löst Empfindungen in deinem Körper aus – und kann dazu führen, dass du handelst, ohne dich bewusst dafür entschieden zu haben.

Beispiel: Du gehst die Strasse entlang, als ein Auto direkt neben dir plötzlich stark bremst. Reifen quietschen, eine Hupe ertönt. Dein Körper reagiert: Deine Hände werden feucht, dein Herz schlägt schneller, dein ganzer Körper ist in Alarmbereitschaft. Das ist Angst. Sobald die Gefahr vorüber ist, beruhigt sich dein Körper langsam wieder. Doch in diesem Moment hast du längst reagiert, ohne darüber nachzudenken: Du weichst zurück, erstarrst oder hältst den Atem an.

Weisst du, wie sich Angst in deinem Körper bemerkbar macht?

Der emotionale Mix

Ob angenehm oder unangenehm: Eine starke Emotion kann deine Konzentration beeinträchtigen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass du impulsiv handelst.

  • Wut → abrupte Reaktionen, Beschimpfungen, zu dichtes Auffahren oder starkes Beschleunigen.
  • Angst oder Unruhe → übermässige Vorsicht, zögerliches Fahrverhalten – und dadurch möglicherweise Irritationen bei anderen Verkehrsteilnehmenden.
  • Freude → Ablenkung.
  • Traurigkeit → langsamere Reaktionen.

Drei Faktoren bestimmen, wie stark eine Emotion dein Fahrverhalten beeinflusst: ihre Dauer, ihre Färbung (positiv oder negativ) und ihre Intensität. Je stärker und länger eine Emotion anhält und je negativer du sie empfindest, desto grösser kann ihr Einfluss auf dein Verhalten im Strassenverkehr sein.

Wenn sich alles aufstaut

Ein schwieriger Tag an deinem Ausbildungsplatz. Dein Ausbildner oder deine Ausbildnerin hat deine Arbeit kritisiert, alles läuft schief und du bist gereizt. Du steigst auf deinen Roller, um nach Hause zu fahren. Vor dir fährt jemand zu langsam. Der ganze Ärger des Tages kommt plötzlich wieder hoch. Du willst die Person überholen, vielleicht ihr im Vorbeifahren sogar noch eine Geste machen. Du überholst – nicht nur, um vorbeizukommen, sondern um all das loszuwerden, was sich seit dem Morgen in dir angestaut hat.

Was deine Reaktion auslöst, ist also nicht nur die Person vor dir. Es ist die Mischung aus allem, was du im Laufe des Tages erlebt hast und was sich nun in dieser konkreten Situation entlädt.

Verliert immer mehr und mehr die Kontrolle: Michael Douglas im Film «Falling Down» (Quelle: Prime Video)

Wie hättest du in derselben Situation reagiert?

Was kannst du also tun?

Emotionen kannst du dir nicht aussuchen – dafür entstehen sie viel zu schnell. Du kannst aber beeinflussen, wie viel Raum du ihnen in diesem Moment gibst. Ärger zu empfinden, ist an sich kein Problem. Aus diesem Ärger heraus zu handeln, nur um ihn loszuwerden, kann hingegen zum Problem werden.

Was du lernen kannst, ist, einen kleinen Abstand zwischen dir und dem zu schaffen, was du gerade fühlst – einen kurzen Moment zum Durchatmen. So kannst du aufmerksam bleiben und bewusst entscheiden, wie du reagierst, statt dich von deiner Emotion leiten zu lassen.

Zusammengefasst: Deine Strategien für sichereres Fahren

  • Nimm die körperlichen Signale wahr, bevor du handelst. Dein Herz schlägt schneller, dein Kiefer ist angespannt: Das sind Signale – keine Befehle, denen du folgen musst.
  • Mach eine kurze Pause, bevor du reagierst. Oft reichen schon ein paar Sekunden, um den automatischen Reflex zu unterbrechen.
  • Frag dich, woher die Emotion wirklich kommt. Der unmittelbare Auslöser ist nicht immer die eigentliche Ursache. Überlege, was sich vorher bereits angestaut hat.
  • Denk daran, dass du die Wahl hast. Nur weil du eine starke Emotion empfindest, musst du nicht sofort danach handeln.

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