Wenn gefährliches Fahren plötzlich normal wirkt
Soziale Medien gehören zu unserem Alltag. Morgens scrollen wir noch im Bett den neusten Trends hinterher, in der Pause vertreiben wir uns damit die Zeit und abends holen wir nach, was wir tagsüber verpasst haben. Egal wo du bist, Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat oder YouTube liefern dir ständig neue Videos. Vieles davon ist harmlos und unterhaltsam: Pranks, Challenges oder kreative Clips. Doch zwischen lustigen Videos tauchen auch Inhalte auf, die riskantes Fahrverhalten zeigen.

Problematisch: Gefährliche Inhalte erhalten tausende von Likes
Vielleicht sind dir solche Videos auch schon auf deiner For You Page (FYP) begegnet. Auto- und Töfffahrer:innen filmen sich mit überhöhter Geschwindigkeit, feiern riskante Überhohlmanöver als «cooles» Fahren oder liefern sich Rennen auf Autobahnen – manchmal sogar freihändig auf dem Töff. Oft filmen sie sich selbst oder werden von Freund:innen aufgenommen.

Problematisch: Gefährliche Inhalte erhalten tausende von Likes
Solche Inhalte bekommen besonders viel Aufmerksamkeit: Tausende Likes, unzählige Shares und bestätigende Kommentare. Ung genau hier beginnt das Problem. Die positive Rückmeldung vermittelt Anerkennung und lässt gefährliches Verhalten plötzlich akzeptable oder sogar vorbildlich erscheinen.
Wenn Wiederholung Risiken unsichtbar macht
Wenn solche Videos immer wieder auf deiner FYP auftauchen, wirkt riskantes Fahrverhalten irgendwann normal. Man gewöhnt sich daran. Kaum jemand fragt noch: Ist das eigentlich angemessen? Welche Folgen kann das haben? Die Risiken rücken in den Hintergrund. Doch das ist eine Illusion.
Auf Social Media siehst du meist nur die «coolen» Sekunden, nicht das, was danach passiert. Extreme Inhalte werden häufiger angezeigt, weil sie Aufmerksamkeit erzeugen. Je riskanter ein Video, desto eher wird es geliket und geteilt.
Was fast nie gezeigt wird, sind die Konsequenzen: schwere Unfälle, lebenslange Verletzungen, lange Reha-Aufenthalte oder Menschen, die nie wieder so leben können wie zuvor. Diese Realität passt nicht in einen kurzen Clip – deshalb bleibt sie meist unsichtbar
Likes erzeugen Druck, auch wenn niemand etwas sagt
Gerade wenn du jung bist, begegnest du solchen Inhalten besonders häufig. Likes und positive Kommentare wirken wie Applaus. Sie senden eine klare Botschaft: «Das ist cool.» Und genau hier liegt der Punkt: In jungen Jahren ist Anerkennung besonders wichtig. Likes treffen dieses Bedürfnis direkt.
Auch wenn dich niemand direkt dazu auffordert, entsteht Druck. Vielleicht willst du mithalten. Vielleicht willst du nicht als uncool gelten. So wird gefährliches Verhalten Schritt für Schritt normalisiert – oft, ohne dass du es bewusst merkst. Soziale Medien verstärken diesen Druck. Sie sind nicht der einzige Grund, warum Menschen Risiken eingehen – aber sie machen sie sichtbarer und scheinbar akzeptabler.
Gefährlicher Content ist vielseitiger, als er scheint

Lebensgefährlich: Freihändig, ohne Schutzkleidung und mit einer Hand filmen
Manche tragen Shorts und T-Shirt, andere filmen sich während der Fahrt mit einer oder keiner Hand am Lenker. Im Video wirkt das entspannt. In Wirklichkeit ist es lebensgefährlich.
Wenn du auf dem Töff unterwegs bist, hast du keinen Airbag und keine Knautschzone. Ein kleiner Fehler, ein Stein auf der Strasse oder ein Auto, das dich übersieht, reicht aus. Ohne Schutzkleidung können selbst vermeintlich harmlose Stürze schwere oder lebenslange Folgen haben. Trotzdem wird genau dieses Verhalten online oft gefeiert. Und wer solche Inhalte postet, trägt Verantwortung dafür, wie andere sie wahrnehmen – und was sie daraus machen.
Rennen, Tempo und Ego. Du trägst Verantwortung
Illegale Rennen auf öffentlichen Strassen oder der Autobahn sind besonders gefährlich. Wenn du dich mit anderen messen oder deinen Status beweisen willst, gefährdest du nicht nur dich selbst. Du bringst auch völlig unbeteiligte Menschen in Gefahr: Familien, Pendler:innen Berufschauffeurinnen und -chauffeure, die einfach sicher ankommen wollen.

Länegerer Bremsweg: Höhere Geschwindigkeit und verlangsamte Reaktion
Mit steigender Geschwindigkeit verlängert sich der Bremsweg, Reaktionen werden langsamer. Wenn etwas passiert, gibt es kein Zurück. Kein Kick, kein Video und kein Like ist dieses Risiko wert.
Ablenkung am Handy kostet Sekunden – und das Leben
Vielleicht denkst du auch: Nur kurz filmen. Nur schnell aufs Handy schauen. Doch die Wahrheit ist: Du kannst nicht gleichzeitig fahren und am Handy sein.
Schon wenige Sekunden Ablenkung reichen, um ein Stoppschild zu übersehen oder zu spät zu reagieren. Ablenkung gehört zu den häufigsten Unfallursachen im Strassenverkehr. Laut dem BFU fordert Ablenkung am Steuer jährlich 1’200 Schwerverletzte und 59 Tote. Das Benutzten des Handys bei der Fahrt erhöhte das Unfallrisiko um das 3.6-fache (Hertach, 2022).
Gruppendruck wirkt, auch wenn er leise ist
Oft bist du nicht allein unterwegs. Freundinnen oder Freunde sitzen mit im Auto, jemand filmt, jemand feuert an. Vielleicht hast du ein ungutes Gefühl – sagst aber nichts. Genau das ist Gruppendruck. Schweigen fühlt sich einfach an. Aber es macht gefährliches Verhalten nicht weniger gefährlich.
Du hast mehr Einfluss, als du denkst
Gerade wenn du zwischen 16 und 24 Jahre alt bist, ist dir vielleicht nicht immer bewusst, wie viel Einfluss du hast. Echte Stärke zeigt sich nicht darin, Risiken einzugehen. Sondern darin, Verantwortung zu übernehmen – für dich selbst und für die anderen.
So kannst DU etwas verändern:
- Teile keine Videos von gefährlichem Fahren, weder im Auto noch auf dem Töff.
- Feier niemanden, der ohne Schutzkleidung, freihändig oder viel zu schnell fährt.
- Mach keine Rennen. Egal wo, egal wann.
- Leg das Handy weg, wenn du fährst. IMMER.
- Sag etwas, wenn Freundinnen oder Freunde zu schnell oder rücksichtslos fahren.
Sicher fahren ist nicht uncool. Es zeigt Respekt, Mitdenken und Verantwortung. Trends kommen und gehen. Die Folgen von Unfällen bleiben.
Der Strassenverkehr ist kein Spiel.
Kein Wettbewerb.
Kein Content.
Der Strassenverkehr ist real und es geht um Leben.
Auch um dein eigenes!
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